Tauernwind

Dani Arnold / Mario Walder (10.11. Dezember 2015)

Viele Jahre beobachte ich schon eine ganz besondere Wand am Tauernhauptkamm. In diesem Talschlusskessel scheint ein eigenes Klima zu herrschen. Schlechtes Wetter staut sich hier an, klebt die Wände mit Schnee zu und verwandelt diesen Kessel in eine der lawienengefährlichsten Gegenden der Tauern. Mein Freund Dani und ich entscheiden uns, in diesen noch unbestiegenen, sogenannten "Freiwänden" einen Versuch zu wagen. Beim ersten Licht machen wir uns auf den Weg. Spurarbeit steht auf dem Programm. Zweieinhalb Stunden wühlen wir uns über beinahe senkrechte Strauchleiten zum Einstieg.
Der erste Teil dieser 800-Meter-Wand führt über eine 120 Meter hohe, nahezu senkrechte Stufe. Schlecht abzusicherndes Eis und Spindrift ziehen mir durch Mark und Bein. Dann knietiefer Schnee bis zur nächsten Barriere. Jetzt ist Dani an der Reihe.
Wieder das gleiche Spiel. Schnnell erreichen wir den oberen Wandteil. Leichtes Mixed-gelände und dann noch ein schmaler ausgesetzter Grat zum Ausstieg. Im letzten Licht stehen wir am Gipfel. Doch nicht viele Wege führen von hier hinunter. Dani und ich entscheiden uns für die längste, aber sichere Variante in das gegenüberliegende Tal. Nach drei Stunden Wühlen und einem unerwarteten Abseilmanöver finden wir eine alte Hirtenhütte, was unser Biwak um einiges angenehmer macht. Am nächsten Morgen noch mal drei Stunden und unser an neuen Erfahrungen reiches Abenteuer findet sein Happy End.

Wir taufen unsere Route "Tauernwind" 800m / Wi5 ED.

Text: ÖTK Magazin 03/2016