Pakistan 2015

„KNOWLEDGE IS LIGHT . . . IGNORANCE IS DEATH“

Dies war ein Sprichwort, an der Eingangstür einer Knabenschule in Skardu die wir am Anfang unserer Reise besuchten. Und dieser Spruch sollte uns auf der ganzen Reise begleiten. . .



Nach zwei Tagen Karakorumhighway bei glühender Hitze kommen wir, (Thomas, Alex, Dani und ich) endlich in Skardu, der Hauptstadt von Baltistan, an. Von dort noch sechs Stunden mit dem Jeep nach Askole, dem Ausgangspunkt zu den Riesen des Karakorums. Einen Tag später werden alle Lasten an die Träger verteilt und wir machen uns auf den viertägigen Marsch zum Choktoi Gletscher. Keiner von uns war vorher in diesem Tal und als dann nach zwei Tagen im Base Camp sich die Wolken lichten kommen alle nicht mehr aus dem Staunen. . .
Latok 1-6, Ogre....

Die Dimension dieser Wände ist überwältigend. Der viele Schnee vom Spätwinter klebt wie Kleister an allen Spitzen und Fugen dieser Berge. Leider kein gutes Zeichen. Nach einigen Tagen ist das Lager eingerichtet und jeder hat sich eingelebt. Die Akklimatisationszeit hat begonnen. Wir machen uns auf den Weg zu einem wunderschönen Sechstausender direkt hinter unserem Lager. Nach einem Biwak auf 5800m wollen wir am nächsten Tag den Gipfel klettern doch wir haben den Berg unterschätzt. Zu wenig Material, zu spät. . . also Rückzug.
Unser Hauptziel( Latok1) kommt zu der Zeit noch nicht in Frage. Viel zu viel Schnee in der Wand verwandelt bei Sonneneinstrahlung alles zu einem riesigen Kanonenrohr. Eine am nebenan liegenden Latok3 Linie scheint uns relativ sicher und perfekt zum Akklimatisieren. Also Angriff!
Schon beim Zustieg müssen wir uns unter einem Felssporn verbarrikadieren. Die Temperaturen sind viel zu hoch. Im Zehnminutentakt schießen Lawinen an uns vorbei. Wir warten den Tag ab um uns am nächsten Morgen auf den Weg zu machen. Zeitig in der früh erreichen wir unser Lager auf 5500m und kaum kommt die Sonne heraus beginnt die Eis Welt um uns herum zu Leben. Am nächsten Tag geht’s wieder zurück ins Base Camp.
Das Wetter bleibt gut, doch die Nullgradgrenze steigt auf 6300 Meter. Trotzdem wagen wir einen Versuch. In Der Nacht wird wohl alles gefroren sein, hoffentlich... Alles läuft gut und wir erreichen um sechs Uhr Morgens unser Lager und warten den Tag ab um am nächsten Morgen durchzustarten. Um uns herum krachen den ganzen Tag Lawinen herab, doch hier fühlen wir uns sicher. Die Nacht zieht herein. Um neun Uhr dann ein dumpfer Knall. Ich schaue aus dem Zelt hinaus. Ein Mix aus tausend Blitzen und Eis donnern vom weit entfernten Hängegletscher herab. Achtung!!!! Alle in Deckung! Nach einigen Sekunden erfasst uns die Druckwelle. Ich bekomme nahezu keine Luft mehr und Dani hebt immer wieder vom Boden ab. Dann Stille.

Alle noch da?
Gottseidank!!
Ein Rucksack samt Steigeisen war allerdings 500 Meter tiefer gelandet. In dieser Nacht hatten wir dann noch zweimal das gleich Spiel. Um vier Uhr, beim ersten Licht, bringen wir uns in Sicherheit. Wir hatten sehr viel Glück an diesem Tag.
Alle sind schwer gezeichnet und wir Entscheiden, bei diesen Temperaturen werde wir nicht mehr losziehen. Einer anderen amerikanischen Gruppe am Ogre ergeht es nicht anders. Steinschlag, Knochenbrüche, Seilschaftsstürze usw...... Doch alle überleben.
Nach zwei Wochen unveränderter Hitze wagen wir wieder einen Versuch. Das Wetter soll sich verschlechtern und wir haben nicht mehr viel Zeit. Wir steigen nachts um ein Uhr zu unserem am Anfang versuchten Berg hinauf. Gut ausgerüstet erreichen wir um sechs Uhr morgens die Gipfelwand. Nach acht Seillängen genialer Kletterei noch ein kurzer Schneegrat und Dani, Alex und Ich stehen am höchsten Punkt. 6046 Meter und nirgends Spuren einer vorigen Besteigung. Wir sind überglücklich und genießen einfach nur den gewaltigen Blick auf die Riesen des Karakorums. Eine Stunde später hat die Sonne wieder alles in einen Sumpf verwandelt und unter diesen Bedingungen hätten wir unser Ziel nie erreicht.

Perfektes Timing! Wir taufen den Berg „PANMA KANGRI“